März 2006
Ein Wissenschaftler untersucht das baptistische Gemeindewachstum in Kroatien
Raus aus der Sektenecke
In der Region Banovina in Kroatien – etwa 60 Kilometer südlich von Agram an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina – haben die dortigen Baptistengemeinden nach dem Jugoslawienkrieg ein erstaunliches Wachstum erlebt. Wahrend die Bevölkerung nach Ende des Krieges 1995 auf die Hälfte – rund 40 000 Einwohner – gesunken ist, stieg die Zahl der Baptisten in den zehn Jahren von 1991 bis 2001 von 136 auf 171 (ein Plus von 26 Prozent). Rechnet man die in der Nahe liegende Stadt Sisak hinzu, fällt das Gemeindewachstum noch deutlicher aus. 1991 gab es in der Region danach 179 Baptisten, im Jahr 2001 waren es 274 – ein Wachstum von 53 Prozent. Auch der gesamte kroatische Baptistenbund ist in dem Zeitraum von 1 141 auf 1 981 Mitglieder gewachsen. Der deutsche Wissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Henkel (Heidelberg/Agram) hat zusammen mit seiner Kollegin Dr. Laura Sakaja die Gründe für die Entwicklung der Baptisten in der Banovina untersucht. Klaus Rösler hat die Studie gelesen.
Drei Gründe hat Prof. Dr. Henkel, der Baptist ist, für das Wachstum der Gemeinden ausgemacht. Obwohl die Gemeinden zum kroatischen Baptistenbund gehören, erreichen sie in dieser Region vor allem Serben oder Paare aus gemischten, also serbisch-kroatischen Ehen. Die Gemeinden bilden für sie eine Nische, wo sie weitgehend unbehelligt leben können. “Was hast du im Krieg gemacht?” Diese Frage wird hier nicht gestellt. Auch viele ehemalige Kommunisten haben zum Glauben gefunden und sich den Gemeinden angeschlossen. Kroatien ist traditionell katholisch geprägt. 88 Prozent der 4,4 Millionen Einwohner sind Katholiken. Für einen Serben ist es undenkbar, Katholik zu werden. Die Volkszugehörigkeit auf dem Balkan wird häufig mit der Religionszugehörigkeit gleichgesetzt. Kroaten sind katholisch, Serben orthodox. Doch in der Banovina war die serbisch-orthodoxe Kirche wahrend der gesamten kommunistischen Ära kaum präsent. Viele im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gotteshäuser sind nie wieder aufgebaut worden (Foto auf der Titelseite). Die Kommunisten waren Atheisten. Dabei trug der Kommunismus selbst durchaus pseudoreligiöse Züge. Als Jugoslawien zerbrach, zerbrach bei vielen Einwohner auch der Glaube an den Kommunismus – und hinterließ ein spirituelles Loch.
Manche Kommunisten fanden bei den Baptisten ihren Platz. Hinzu kam, daß die Baptisten in der Region bereits eine eigene, wenn auch kurze Geschichte vorweisen konnten. Nicht zuletzt trugen die vielfältigen humanitären Hilfsmaßnahmen dazu bei, die Baptisten aus der “Sektenecke” heraus zuführen and für breite Bevölkerungsschichten ,sichtbar” zu coachen.
Der Jugoslawienkrieg hat diese Region stark verändert. 1991 gab es eine- Volkszählung zufolge in der Region 191 Siedlungen mit jeweils 100 his 500 Einwohnern. 55 Orte waren rein kroatisch geprägt, 136 rein serbisch. Nur in 20 Orten hatten sich beide Bevölkerungsgruppen gemischt. Ingesamt lebten 73 100 Einwohner in der Region, 58 Prozent waren Serben, 34 Prozent Kroaten, die übrigen Tschechen, Ungarn, Polen and andere Minderheiten wie Österreicher. Als sich Kroatien 1991 für unabhängig von Jugoslawien erklärte, besetzten serbische Milizen die Region. Daraufhin flohen fast alle Kroaten. Im August 1995 eroberte das kroatische Militär das Gebiet zurück. Die Folge war eine erneute Flüchtlingswelle – in die Gegenrichtung. Viele Serben flohen nach Serbien oder Bosnien Herzegowina und viele Kroaten kehrten in ihre früheren Siedlungen zurück. Insgesamt hat sich durch den Krieg die Bevölkerung aber fast halbiert- auf 39 000 Einwohner. Die ethnische Zusammensetzung wurde auf den Kopf gestellt: Nun stellen die Kroaten mit 72 Prozent die Mehrheit, nur 23 Prozent sind noch Serben. In der Region gibt es zehn Baptistengemeinden und zwei Missionsstationen. 57 Prozent aller Mitglieder sind Serben. Die Missionsstationen und drei Gemeinden sind nach 1990 entstanden.
Um das Interesse der Serben an den Baptistengemeinden verstehen zu können, ist auch die junge Geschichte der baptistischen Bewegung wichtig. Sic klingt eng zusammen mit einem Mann: Jovo Jekic (1892-1998), dem Begründer der Gemeinden in der Banovina. Nach einem sechsjährigen Aufenthalt als Automechaniker bei Ford in Detroit in den USA war er 1919 als 26-Jähriger in sein Heimatdorf zurückgekehrt. In den USA war er Baptist geworden and warb nun auch kräftig für seinen Glauben. Er war ein geschätzter und bekannter Prediger. Von Anfang an setzten sich die von ihm gegründeten Gemeinden aus unterschiedlichen Nationalitäten zusammen. Und um seine Person rankten sich einige Mythen. Im Zweiten Weltkrieg 1941 hat er in seinem Heimatort Grabovac ein Massaker kroatischer Nationalisten an den Serben überlebt, dem insgesamt 1 200 Menschen zum Opfer gefallen waren. Zwei der Täter erkannten den Baptistenpastor and sonderten ihn aus, bevor sic die anderen Menschen erschossen. Auch als die so genannten UstashaKämpfer ein Jahr später erneut den Ort überfielen and viele Häuser von Serben anzündeten, verschonten sic das Haus von Jekic. Seitdem galten die Baptistengemeinden für viele Serben als sicherer Ort vor kroatischen Übergriffen. Als die Kunde von dieser Bewahrung in der Region die Runde machte, kam es sogar zu Massenbekehrungen and Taufen in der Region. Es war jedoch nur cm kurzes missionarisches Strohfeuer and blieb ohne dauerhafte Folgen auf die Entwicklung der Gemeinden. Doch 54 Jahre später, als die kroatische Armee erneut in die Region einrückte, erinnerten sich manche älteren Einwohner an diese Erzählungen and schloßen sich sicherheitshalber den Baptisten an. So wundert es auch nicht, daß die Baptistengemeinden in der Region viele ältere Mitglieder haben.
Bei seinen Umfragen ist Prof. Henkel ein weiteres Phänomen begegnet, weshalb gerade die Baptistengemeinden für viele Serben attraktiv sind. Dies ist nämlich der Verzicht auf religiöse Symbole. Baptisten tragen weder Kreuze noch Rosenkranze. Da Serben und Kroaten sich von der Sprache her kaum unterscheiden, entschieden im Krieg diese religiösen Zeichen häufig über Leben and Tod. Der “Andere” konnte anhand dieser Zeichen identifiziert werden. Dein allgemeinen Empfinden kam es nun sehr entgegen, daß es diese Zeichen, Heiligenbilder oder Ikonen hei den Baptisten nicht gibt.
Nach dem Krieg haben die Baptistengemeinden, unterstützt von den Baptisten in aller Welt, der Bevölkerung humanitäre Hilfe geleistet gemeinsam mit dem Internationalen Roten Kreuz and der katholischen Caritas. Als die Stromversorgung total zusammengebrochen war, sind die Gemeindernietglieder von Haus zu Haus gegangen und haben den Bewohnern Brot, Streichhölzer and Kerzen vorbeigebracht. Später wurden die baptistischen Gemeindehäuser zu Ausgabestellen für Lebensmittelpakete umfunktioniert. Natürlich stießen diese Hilfsaktionen hei den Angehörigen anderer Konfessionen auf scharfe Kritik. Vom “Seelenkauf` war die Rede, vom “Wildere in fremden Herden”. Prof. Henkel halt diese Vorwürfe für unberechtigt. Dies zeige ein Blick auf die Statistik. So hat die Gemeinde Glina 56 Mitglieder, obwohl sic mehr als 1 000 Menschen regelmäßig versorgt hat. Sicher hätten einige Interessenten auch mit falschen Erwartungen die Gottesdienste besucht. Doch als sie festgestellt hatten, daß sie keine zusätzliche Nothilfe durch den Kirchgang erhalten hatten, seien sie wieder fortgeblieben. Dennoch hätten gerade die Hilfsgüter mit dazu beigetragen, daß die Baptistengemeinden in der Region einem großen Kreis von Menschen bekannt gemacht wurden. Prof. Henkel: “Das Grundproblem jeder alternativen Kirche ist ihre Unsichtbarkeit.” Die Hilfslieferungen seien deshalb auch für die Gemeinden ein Segen gewesen, weil sie nun sichtbar geworden seien. Auch Angebote wie Computerkurse, Sprach- and Musikunterricht hatten zu einer positiven öffentlichen Image beitragen. Das vor dem Krieg häufig anzutreffende Sekten-Image wurde abgelegt.
Prof. Henkels wissenschaftliche Untersuchung macht erneut deutlich: Es gibt nicht nur den einen erfolgreichen “Königsweg” beim Bau des Reiches Gottes. In der Banovina war dies ein Dreiklang aus ethnischer Offenheit, Kirchengeschichte und praktischer Hilfe. Andernorts wird es andere Kriterien geben. Doch wer sich für das seelische and physische Wohl anderer Menschen einsetzt, wird merken, daß Gott dieses Tun segnet und Menschen auch zum Glauben an Jesus Christus finden.
Quelle: Die Gemeinde
Dezember 2005
Digitale Kinderbibel an österreichischen Tankstellen
Wien – Auf ungewöhnlichen Wegen wird in Österreich eine digitale Kinderbibel vertrieben, die von zwei Baptistinnen gemeinsam mit einem Trickfilm-Zeichner und einem Programmierer entwickelt wurde. Seit Anfang November ist die Computerbibel “Kinderbibel.net” auch an über 50 österreichischen Tankstellen erhältlich. Darüber hinaus soll die Bibel in der Vorweihnachtszeit in den rund 70 Filialen der Baumarktkette “BauMax” erhältlich sein. Geschaffen haben sie die Pastorin Andrea Klimt und die Projektleiterin Katarina Angerer mit dem Wiener Grafiker Tom Klengel; in Kooperation mit dem Katholischen Bibelwerk Klosterneuburg wurden die ungewöhnlichen Vertriebswege möglich. Die digitale Kinderbibel ist mit einer Auflage von 3’000 Exemplaren an den Start gegangen.
Quelle: Österreischische Evangelische Allianz